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Interview mit Jerry Hoffmann
(Schauspieler, Prinz Tanka in "Die Hexenprinzessin")

20. November 2020

Jerry Hoffmann, geboren 1989 in Hamburg, ist ein Schauspieler und Regisseur. In dem ZDF-Märchenfilm "Die Hexenprinzessin" verkörpert er den Prinzen Tanka.

Sie spielen ja die Rolle des Prinzen Tanka: Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Ich spiele Prinz Tanka. Grundsätzlich sind Märchenprinzen in Deutschland ja oft blond, haben blaue Augen und ähneln auch insgesamt eher Barbies Freund Ken. Dass der Prinz in DIE HEXENPRINZESSIN endlich mal nicht so aussieht, ist so wunderbar wie wichtig. Ich hoffe das vor allem Kinder von diesem modernen Prinzen lernen. Denn Tanka ist eine besondere und zeitgemäße Figur: er ist lustig, charmant und mutig, aber eben auch eitel, widersprüchlich und unsicher. Ein starker Held mit Macken und Kanten, wie man ihn eher von Disney-Figuren kennt. Er ist auf der Reise die uns alle eint, heraus zu finden wofür es sich zu leben lohnt. Letztlich rettet er mit Zottel seine eigentlich Auserwählte Amalindis, und schafft es obendrein sich die Liebe zu ihrer Schwester einzugestehen. Ein Bilderbuch-Held der besonderen Art.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Tatsächlich war die Vorbereitung für die Hexenprinzessin, neben der üblichen Rollenvorbereitung, sehr intensiv. Da Prinz Tanka ja sowohl sehr agil auf dem Pferd ist, als auch brilliant Kämpfen kann und es eben die Große Kampfszene gab in der ich mal eben 12 Kämpfer alleine zerlege, hatte ich Reitunterricht, Kampf- und Schwertunterricht und intensive Tanzproben.

Konnten Sie sich bei der Umsetzung der Rolle mit einbringen oder wurde strikt nach Plan des Drehbuchs gedreht?
Ngo The Chau - der Regisseur - ist sehr offen in der Gestaltung der Rollen und bezieht immer die Gedanken und Ideen der Schauspieler mit ein. Es gab klassische Leseproben und man wusste, man konnte immer mit Einfällen zu ihm kommen und sie wurden dankbar aufgenommen. Wir haben schon beim Casting gemerkt, dass wir eine Vision für die Rolle teilen, und so konnte ich mich mit dem Wunsch aus albernem Humor und höfischer Adeligkeit wunderbar austoben.

Wie verlief das Casting zum Film?
Recht intensiv. Ich war über mehrere Wochen 2 mal mit sehr vielen unterschiedlichen Besetzungen für Zottel im Casting. Wir wurden gebeten uns der Rolle entsprechend zu kleiden. Es war dementsprechend lustig im Warteraum verschiedenste Prinzen mit Schwertern und Tigerfällen zu sehen. Es ist selten für mich in einer Situation zu sein, in der meine Hautfarbe für die Besetzung in Deutschland keine oder eine nebensächliche Rolle spielt. Es war erfrischend so viele unterschiedliche Tanka wartend zu sehen, ich wusste es geht um meine Haltung zur Figur und nicht mein Aussehen.

Kannten Sie das Märchen zuvor?
Nie gehört.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?
Tatsächlich habe ich mich intensiv auf die Rolle vorbereitet und sehr auf die Dreharbeiten gefreut. Die größte Herausforderung war letztlich, dass ich kurz vor den Dreharbeiten ein privates Schicksal im Familienkreis hatte, dass mich sehr mitgenommen hat. Ich hatte Sorge, dass mir die Kraft, der Humor und die Konzentration für einen schlagfertigen, fitten und charmanten Prinzen fehlen. Letztlich war der Dreh ein Segen.

Welche Szene war in der Umsetzung am anspruchsvollsten?
Definitiv die große Tanzszene in der Schenke. Die Szene hatten wir intensiv geprobt. Es ging darum einen modernen Tanz zu finden, der aber in der fiktiven Ritter-Zeit funktioniert. Ebenso hatten wir eine fixe Choreo und mussten aber frei sein für Improvisation im Moment und für das Spiel. Die tschechischen Komparsen sollten auf uns reagieren und mit uns interagieren, aber sprachen ja kein Wort Deutsch. Wir mussten also über unsere Körper animieren. Am Schluss des Tanzes Schwingen Prinz Tanka und Zottel an Kronleuchtern durch den Raum, machen einen Salto oder einen Doppelten und landen auf dem Boden. Für die Saltos gab es Stunt-Double. Aber alleine das wilde und ausgelassene Tanzen, immer und immer wieder, das an dem Kronleuchter schwingen und den ganzen Raum mit Energie füllen hat mich an die Grenzen gebracht. Es war etwa 3 Uhr morgens als wir die Szene, kurz vor Ende des gesamten Drehs nach mehreren Wochen und am Ende eines langen Tages beendet haben, und ich war nie zuvor so geschafft von einem Drehtag.

Wie viele Drehtage hatten Sie für „DieHexenprinzessin“?
Ich hatte, glaube ich, um die 19 Drehtage. Wir hatten etwa 1,5 Monate Vorbereitung, davon 2 Wochen intensivere Proben, Kostüm und Maskentests in Prag. Ich war vom ersten bis zum letzten Drehtag dabei, an den drehfreien Tagen hatte ich oft noch zusätzliche Kampf- oder Reitproben.

Gab es besondere Ereignisse beim Dreh?
Wirklich besonders war die Location vom Krater, an dem das Tor zur Hexenburg spielt. Ein epochaler Ort den ich so noch nie gesehen habe. Riesige graue Berge und ein Abgrund ins Tal. Das war ein spektakulärer Drehort. Ansonsten das Drehen mit Tieren, den Wolf, das Pferd und die Ratte.

Haben Sie eine Lieblingsszene im Film? Und warum ist es gerade diese?
Tatsächlich ist es die Ankunft Prinz Tankas auf dem Schloss Elvthal. Nicht nur war der Cast beinahe komplett, es war auch ingesamt ein lustiger Drehtag. Es gab sehr viele Komparsen, mein Pferd wollte absolut nicht die Burgmauer hochtrabend und wir hatten viele Lachanfälle. Das erste Treffen zwischen dem Prinzen und dem Königspaar ist wirklich lustig geworden und wir hatten genauso viel Spaß am Set.

Welche Aspekte im Märchen „Die Hexenprinzessin“ sind heute noch aktuell?
Es gibt universelle Themen in diesem Märchen die zeitlos sind. Die Suche nach der großen Liebe zum Beispiel, das eigene Lebenskonzept versus dem der Eltern oder deren Anerkennung. Lebenskonzepte standen jeher zur Disposition, zum Glück stellen wir uns heute mehr denn je die Frage, wie wir als Gesellschaft leben wollen und welche Werte nicht mehr zeitgemäß sind.

Was ist die Moral von diesem Märchenfilm?

Vertraue auf dein Herz. Mach nicht immer das, was dein Vater von dir will. Die andere Tochter kann auch spannend sein. Die Liebe siegt.

An welches Publikum richtet sich der Film?
Ich würde sagen an ein Publikum dass im Herzen jung ist, sich gern verzaubern lässt und keine Angst vor Abenteuern hat.

Würden Sie erneut in einem Märchenfilm mitspielen wollen? Wenn ja, welches Märchen wäre es denn und warum?
Absolut! Nächstes mal wäre ich gerne ein mächtiger Zauberer mit magischen Kräften. Wir sind ja an der Grenze zum Fantasy Film, und ich hoffe das Deutschland da noch mutiger wird ;)

Welche Erfahrung von der ganzen Produktion nehmen Sie mit?
Das dünne Lederhosen schnell reißen, wenn man mit Schwung auf ein Pferd springt.

Oftmals werden ja die Neuverfilmungen sehr kritisiert. Man findet sie oft zu kitschig, zu modern, sie hätten keinen Charme etc. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Ich denke, das kann man nicht verallgemeinern. Es kommt immer auf das Herz eines Filmes an. Etwas, das Gelungen ist, muss man nicht endlos neu erzählen, denke ich. Aber wenn man einen Grund, einen modernen Ansatz hat, dann kann eine gute Geschichte auch wiederkehren!

Wie stehen Sie generell zum Thema „Gewalt im Märchen“?
Gewalt ist Teil vieler Märchen, weil Märchen ja oft auch mit unseren unterbewussten Ängsten zu tun haben. Ich denke mit Gewalt sollte grundsätzlich in Filmen bewusst und maßvoll Umgangen werden, man muss sich immer die Frage stellen, welchen Zweck sie erfüllt und wer das Zielpublikum ist. Ein Film für besonders junge Menschen sollte auf bestimmte Darstellungen von Gewalt verzichten. Ich finde in „Die Hexenprinzessin“ haben wir einen tollen Weg gefunden, spielerisch und trotzdem sinnvoll mit Gewalt umzugehen. Prinz Tanka ist zum Beispiel grundsätzlich gegen das Töten und besiegt seine Angreifer mit viel Geschick und Humor, ohne Ihnen das Leben zu nehmen.

Wir bedanken uns für das märchenhafte Interview.

Fotos: ZDF/Conny Klein, Die Hexenprinzessin (Instagram), Jerry Hoffmann (Instagram), Marcus Höhn

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