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Interview mit Irene Wellershoff und Götz Brandt (ZDF)
21. Dezember 2018

Irene Wellershoff und Götz Brandt vom ZDF sind seit vielen Jahren für viele wunderbare Märchenfilme der Reihe "Märchenperlen" verantwortlich. Wir trafen sie zu einem Interview und beide erzählen uns interessante Fakten zur Neuverfilmung vom Märchen "Der süße Brei", zu "Schneewittchen und der Zauber der Zwerge" und vieles mehr...

"Der süße Brei"

Wie kam man auf das Thema "Armut im Mittelalter", welches im Film eine zentrale Rolle spielt?
Götz Brandt: Wir wollten den „Süßen Brei“ machen. Das war die Grundlage. Und die Grundlage gab vor, dass es eher um „Hunger“ als um „Armut“ ging. Folgerichtig sind in unserer Film-Version auch diejenigen gierig auf den „Brei“, die nicht unbedingt unter Armut leiden.

Irene Wellershoff: Das Märchen handelt vom Hunger, insofern lag es nahe, uns mit der Situation der Bauern in Zeiten von Hungersnöten zu beschäftigen. Von den regelmäßig wiederkehrenden Hungersnöten, die meistens durch Naturkatastrophen ausgelöst wurden, waren natürlich die Armen, vor allem die Bauern, am meisten betroffen. Aber auch die jüngeren Söhne des Adels konnten in solchen Zeiten in Not geraten, daher kam die Inspiration für die Figur des Veit. Aber natürlich haben wir einen Märchenfilm gemacht und keinen historischen Film, daher haben wir auch verwandte Märchen und Sagen gelesen und fanden dort einen Hinweis, dass sich Verhungernde in Vögel verwandelt hätten, weil sie so mit wenigen Körnern überleben konnten. Das ist ein sehr berührendes Bild.

War es schwierig, aus dem kurzen Märchen einen 90-minütigen Spielfilm zu verwirklichen?
Götz Brandt: Ja, das war es. Es galt, um eine Handvoll Sätze herum eine komplexe und zugleich spannende Geschichte zu erfinden, interessante Figuren und Schauplätze. Das braucht viel Arbeit, viel Zeit und sehr viele gute Einfälle.

Wie viele Monate vergingen vom ersten Skript bis zur finalen Drehbuchfassung und wie viele verschiedene Drehbuchfassungen gab es?
Götz Brandt: Achtzehn Monate muss man wohl rechnen.  Und vor einer Drehbuchfassung gibt es schon zahlreiche Papiere, die den Handlungsablauf skizzieren und dann immer genauer fassen. Inklusive der fünf, sechs Drehbuchfassungen kommt man dann schnell auf mehr als ein Dutzend Treppenstufen, bis man dort ankommt, wo man hinmöchte.

Wurde bis zur Fertigstellung des Films viel gegenüber dem ersten Drehbuchentwurf verändert?
Götz Brandt: Ja, auf der Ebene der Drehbucharbeit ausgesprochen viel. Mehr als sonst. Alle, die daran gearbeitet haben, haben die Geschichte gleich mehrfach auf den Prüfstand und vom Kopf auf die Füße gestellt. Wir haben Figuren und ganze Handlungsstränge neu erfunden, wieder verworfen oder immer wieder neu angepasst. Nach der finalen Drehbuchfassung hat sich der Stoff natürlich auch noch einmal durch die Regie und den Schnitt gewandelt – aber bei weitem nicht im Maße wie bei der Stoffentwicklung.


"Schneewittchen und der Zauber der Zwerge"

Was war der Anstoß, sich für die Verfilmung dieses bekannten Märchens zu entscheiden?
Irene Wellershoff: Das Märchen erzählt eine große Geschichte, die in jeder Generation wieder wichtig ist, von der Schwierigkeit, erwachsen zu werden und den Platz der Elterngeneration einzunehmen. Und wie wichtig sind Jugend und Schönheit, um im Leben glücklich zu werden – das ist ja immer wieder eine aktuelle Frage.

Und wie kamen Sie damit zurecht, dass es schon so viele Verfilmungen gibt? 
Götz Brandt: Den Kern des Märchens zu erhalten und ihm doch zugleich überraschend neue Züge zu verleihen, war in der Tat gerade bei „Schneewittchen“ eine heftige Herausforderung. Wir hatten allerdings einige inhaltliche Ideen, um dieser Herausforderung gerecht zu werden.

Irene Wellershoff: Das ist wahr, aber wenn man sich tiefer hineinbegibt in die Geschichte, dann entdeckt man auch, dass sie sich immer wieder neu interpretieren lässt. 

Wie unterscheidet sich die ZDF-Verfilmung von den bisherigen Verfilmungen?
Götz Brandt: Sie unterscheidet sich auf inhaltlicher Ebene vor allem durch die Definition der Zwerge, ihren Zauber und ihre Kunst. Und sie unterscheidet sich auf filmischer Ebene durch die besondere Handschrift des Regisseurs und seiner Schauspieler.

Wird es wieder so einen märchenhaften Song wie bei „Rübezahls Schatz“ (Oonagh) geben?
Irene Wellershoff: Die Musik wird gerade erst komponiert, wir sind gespannt auf die Ideen von Michael Beckmann, der auch das Lied für Oonagh komponiert hat. Ein Lied wird es aber nur geben, wenn es wirklich passt.

Der Märchenfilm bekam nun einen neuen Filmtitel: „Schneewittchen und der Zauber der Zwerge“, wie kam es zur Umbenennung und warum?
Irene Wellershoff: Es gibt etwa zwanzig Schneewittchenverfilmungen, da sind die Kurzfilme noch gar nicht eingerechnet. Es ist also inzwischen ziemlich schwierig zu wissen, um welchen Film es sich handelt, wenn man nur  den Titel „Schneewittchen“ liest. Wir haben nach einem Titel gesucht, der unterscheidbar ist und gleichzeitig das Besondere unserer Verfilmung trifft.


Wir haben natürlich auch allgemeine Fragen über ihre Lieblingsmärchen, wie ein Märchenfilm entsteht etc. gestellt:

Nach welchen Kriterien richtet man sich, wenn die Entscheidung fallen muss, ob ein Märchen verfilmt werden soll oder nicht?
Götz Brandt: Es muss nicht unbedingt einen bekannten Namen haben, aber ein bekannter Name ist immer eine gute Voraussetzung. Es sollte im Kern nicht grausam sein, zudem sollte seine personelle, tricktechnische und szenische Ausstattung so sein, dass sie bezahlbar bleiben. Allem anderen voran aber braucht es eine Geschichte, die interessante Figuren und interessante Konflikte zwischen diesen Figuren liefert.

Wenn ein Märchen nun feststeht, was ist der nächste Schritt bei einer Produktion?
Götz Brandt: Im ersten Schritt braucht es natürlich ein Drehbuch. Ohne Drehbuch kein Casting, kein Localscouting, keine Kostenberechnung. Und ein Drehbuch braucht einen Autor/Autorin, mit dem zusammen die Geschichte und die Dialoge entwickelt werden können. Diesen Autor/Autorin muss man suchen und finden.

Werden Drehbücher auch initiativ eingereicht oder wird erst, nachdem das Märchen feststeht, ein Drehbuch in Auftrag gegeben?
Götz Brandt: Es werden gelegentlich auch fertige Märchen-Drehbücher eingereicht. Wir ziehen es aber in konkreter Kenntnis dessen, was wir schon gemacht haben und gerne noch machen wollen, vor, die Stoffe selbst auszusuchen und mit Autor/Autorin und Produktionsfirma zu entwickeln. Auf diese Weise wiederholen wir uns nicht.

Wie werden Drehorte und Kulissen ausgesucht? Hat man da schon vorab Ideen oder wie geht so etwas vonstatten?
Götz Brandt: Es ist im weitesten Sinne immer die Kostenfrage, die vorgibt, wo ungefähr der Film gedreht werden kann: beispielsweise in Thüringen oder in der Umgebung von Prag. Weiß man das, macht sich, in Absprache mit der Regie, ein Scout auf den Weg, um Orte zu finden, die das Drehbuch bedienen: ein Schloss, eine geeignete Burg, ein märchenhafter Wald, eine Höhle etc. Solche Vorschläge werden dann überprüft und zusammengefasst – möglichst so, dass die Spielorte, die man braucht, nicht allzu weit voneinander entfernt liegen. Zudem beruht die Frage, welche Orte und Kulissen man wählt, darauf, in welcher Zeit man die Geschichte spielen lassen will.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Schauspieler aus?
Irene Wellershoff: Wir suchen nach Schauspielern, die den Typ, die Persönlichkeit verkörpern können, die das Drehbuch verlangt. Gestandene Schauspieler kennt man meistens aus Filmen, die sie schon gedreht haben. Bei Märchenfilmen muss man aber für die Hauptrollen oft ganz junge Schauspieler besetzen, die noch nicht so oft gedreht haben. Dann macht der Regisseur ein Casting mit den Interessenten, lässt sie ein, zwei Szenen proben, schaut, wie sie an die Rolle herangehen und wie die potentiellen Darsteller miteinander harmonieren.

Ist es schwer mit geringem Budget aufwendige Märchenfilme zu drehen?
Götz Brandt: Übersteigt der nötige Aufwand ein gewisses Maß, werden wir den Stoff erst gar nicht in die Hand nehmen. Umgekehrt: wollen wir den Stoff unbedingt machen, ist der Einfallsreichtum aller Beteiligten gefragt, ihn kostengünstig, aber doch wirkungsvoll umzusetzen. Insgesamt braucht ein Märchenfilm eine gewisse Opulenz. Aber Opulenz ist nicht alles. Wichtiger sind eine funktionierende Story und spannende Figuren. Die aber hängen nicht vom Geld ab, sondern von guten Einfällen und sorgfältiger Drehbucharbeit.

(Fan-Frage) Wieso werden eigentlich einige Märchen, wie z.B.: „Schneewittchen“ in diesem Jahr, erneut verfilmt, obwohl es schon so viele Versionen davon gibt?
Irene Wellershoff: Märchen sind nur deshalb über Jahrhunderte immer weitererzählt worden und lebendig geblieben, weil jede Generation sie neu erzählt hat. Das gilt auch für Märchenverfilmungen: Wir müssen feststellen, dass die meisten Märchenfilme, die 30, 40 Jahre alt sind, bis auf wenige Klassiker, von Kindern und Jugendlichen nicht mehr gesehen werden, weil ihre Filmsprache veraltet ist.

(Fan-Frage) Warum werden nicht häufiger Märchen von Grimm oder Andersen als Film umgesetzt, die noch nie verfilmt wurden, bzw. nicht so bekannt sind?
Irene Wellershoff: Es gibt in den letzten Jahren so viele Erstverfilmungen von unbekannten Märchen wie selten zuvor. Wir haben z.B. „Die weiße Schlange“ von den Brüdern Grimm verfilmt und fanden das sehr spannend. „Der süße Brei“ ist auch eine Erstverfilmung. Bei "Rübezahl" sind wir von Sagen ausgegangen, die noch nicht verfilmt wurden. Es ist, als würde man unbekanntes Terrain betreten, nicht einfach, sich da zu orientieren, aber man hat auch alle Freiheiten.

Wie finden Sie persönlich Musical-Märchenfilme, wie die von Disney beispielsweise?
Götz Brandt: Ich finde diese Filme in jeder Hinsicht beeindruckend. Aber mich erschlägt der Eindruck nicht. Denn ich weiß: man kann Märchen auch ganz anders – und trotzdem beeindruckend! - machen.

Irene Wellershoff: Das geht mir ähnlich, allerdings finde ich, dass die Lieder und ihre Inszenierung oft so im Vordergrund stehen, dass die Geschichte etwas schematisch gerät.

Haben Sie ein Lieblingsmärchen und haben Sie auch einen Lieblingsmär-chenfilm?
Götz Brandt: Was den Film betrifft: „Chihiros Reise ins Zauberland“ (Japan, 2001)

Irene Wellershoff: Und was das Märchen betrifft: „Die Schöne und das Biest“.

Welches Märchen möchten Sie gern noch verfilmen?
Irene Wellershoff: „Zwerg Nase“ von Wilhelm Hauff.

Und welche Märchen würden Sie gern noch verfilmen, wenn es keine finanzielle Beschränkung geben würde?
Götz Brandt: „Sindbad der Seefahrer“.

Wir bedanken uns herzlich für das interessante Interview.

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