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Interview mit Charlotte Krause
(Schauspielerin, Zottel in "Die Hexenprinzessin")

09. November 2020

Charlotte Krause, geboren 2002 in Berlin, ist eine Schauspielerin und Musikerin. In dem ZDF-Märchenfilm "Die Hexenprinzessin" verkörpert sie die Titelrolle Zottelhaube. In diesem Märchenfilm zeigt sie nicht nur ihr schauspielerisches Können, sondern auch ihren brillanten Gesang.

Sie spielen ja die Rolle der Zottelhaube, genannt Zottel: Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?
Der Name verrät schon viel ;) Zottel ist genau das Gegenteil einer klassischen Märchenprinzessin: Sie trägt Hose und Wams, und daran hängt auch immer etwas Schlamm und Moos aus dem Wald, in dem sie sich lieber als im Schloss aufhält. Auf den ersten Blick könnte man sie auch für einen Stallburschen halten, der sich etwas zu lange nicht mehr die Haare gekämmt hat. Dahinter aber steckt eine mutige, starke, junge Frau. Einerseits ist Zottel wild und freiheitsliebend, andererseits wird sie von einem starken Verantwortungsbewusstsein geleitet. Zottel wirkt selbstbewusst, ist aber erst dabei, herauszufinden, wer sie eigentlich ist. Sie wird von ihrer Intuition und einer tiefen Naturverbundenheit bestimmt und ist bereit, für das Leben ihrer Zwillingsschwester ihr eigenes zu riskieren.

Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Ich habe Wochen vor dem Dreh angefangen, wieder jeden Tag Sport zu machen. Vor allem bin ich gelaufen. Zottel verbringt schließlich die meiste Zeit ihres Tages damit, durch den Wald zu rennen. Wir hatten in Prag eine Vorbereitungswoche mit verschiedenen Trainings für unsere Rollen. Dazu gehörten Stuntproben, Pferdekutschentraining und Tanzunterricht, aber auch Drehbuchlesungen und Szenenproben. Den „letzten Schliff“ bekam ich, als meine Haare, die von Natur aus blond sind, orange-rot gefärbt wurden. Von da an bin ich jeden Morgen als Zottel aufgewacht. :)

Konnten Sie sich bei der Umsetzung der Rolle mit einbringen oder wurde strikt nach Plan des Drehbuchs gedreht?
In den Proben der Vorbereitungswoche haben wir viel an der Rollengestaltung gearbeitet und besprochen, was mit Zottel im Laufe des Buches passiert. Dabei hatte ich immer die Möglichkeit, eigene Wünsche und Ideen mit in die Entwicklung einfließen zu lassen. Und auch während der Dreharbeiten blieb immer genug Platz, sich selbst in der Rolle völlig frei entfalten zu können. Unser Regisseur Chau The Ngo hat mir von Minute 1 sein volles Vertrauen geschenkt, und ich durfte, nein sollte sogar, alles ausprobieren was mir - oder Zottel - in den Sinn kam.

Wie verlief das Casting zum Film?
Als ich die Castingeinladung von Uwe Bünker bekam, war mir direkt bewusst, dass es um eine spannende Rolle geht. Anders als ich es von üblichen Castings gewohnt war, sollten wir uns der Rolle entsprechend kostümieren. Es hieß: „Nicht zu modern, besser Märchenstyle, aber auch nicht zu sehr verkleiden.“ Zum ersten Castingtermin erschien ich also mit verfilzten Haaren, die ich zuvor mit roter Kreide angemalt hatte, und einem einfachen Leinenkleid. Zu meiner Verwunderung war ich die einzige, die sich verkleidet hatte, ich kann nur sagen: Es hat sich gelohnt.
Der Castingprozess ging über 2 weitere Runden und war sehr aufwändig. Es gab Konstellationscastings zwischen dem Prinz Tanka und Zottel und ihrer Schwester Amalindis. Schon im Casting habe ich gemerkt, wie präzise Chau mit uns an den Rollen gearbeitet hat und dass es für ihn kein „zu wild“ für Zottel gab.

Kannten Sie das Märchen zuvor?
Nein, ich kannte das Märchen nicht. Ich hatte zum ersten Mal in der Castingeinladung den Namen „Zottelhaube“ gelesen und konnte mir zunächst gar nichts darunter vorstellen. Natürlich habe ich dann erst einmal recherchiert und herausgefunden, dass Zottel in der skandinavischen Märchenvorlage mit einem Kochlöffel in der Hand auf die Welt kommt. Also habe ich mir für das Casting vorsichtshalber einen Kochlöffel in die Tasche gesteckt.

Sind Sie jemand, der sich gut und schnell einen Text einprägen und lernen kann?
Seit ich denken kann, habe ich auf der Bühne gestanden und Stücke vorgetragen. Mit 6 Jahren habe ich dann richtig damit angefangen, Theater zu spielen und im Chor zu singen. Ich hatte nie Probleme, mir einen Text einzuprägen. Ich lerne aber auch nicht den Text, sondern alles was damit verbunden ist, alles was drumherum passiert. Wenn ich die Denkweise der Rolle und ihre Emotionen und Beweggründe innerhalb der Szene verinnerlicht habe, kommt alles wie von selbst.

Was war für Sie die größte Herausforderung bei den Dreharbeiten?
Es gab so einige Momente, in denen ich an meine Grenzen gekommen bin und in denen ich über meinen Schatten springen musste. Wer Zottel verkörpert, darf keine Angst vor rohem Fleisch, großen Hunden, Spinnen, und dem eisigem, tschechischen Wind haben. Also hieß es für mich immer wieder: Augen zu und durch. Ich denke die größte Herausforderung für mich war es, all die Dinge, die sonst außerhalb meiner Komfortzone lagen, als natürlich anzusehen und so zu tun, als ob es nichts normaleres für mich gäbe, als in einer Grube voll kaltem Matsch unterzutauchen. Jeder Tag brachte eine neue Herausforderung mit sich und jede ließ mich über mich hinauswachsen. Das macht mich stolz und für diese Erfahrung bin ich unglaublich dankbar.

Welche Szene war in der Umsetzung am anspruchsvollsten?
Am anspruchsvollsten habe ich die Szene in der Taverne in Erinnerung. Der Tanz auf den Tischen mit Tanka war sehr fordernd. Ursprünglich gab es eine im Tanzstudio einstudierte Choreografie, die sich aber aufgrund unterschiedlicher Umstände nicht komplett umsetzen ließ, so dass wir viel improvisieren mussten. Und der Kampf gegen die Krähenhexe war eine Szene, die viel Zeit in Anspruch genommen hat. Oft kamen spezielle Anzüge und Seile zum Einsatz, an denen wir hängen mussten, um später im Film den Eindruck zu erwecken, dass wir schweben würden. Am aufwendigsten war wahrscheinlich die Festszene im Thronsaal am Anfang des Films, bei der viele Komparsen mitgewirkt haben.

Wie viele Drehtage hatten Sie für „Die Hexenprinzessin?
Es gab insgesamt 21 Drehtage, ich war an 18 Tagen davon am Set.

Gab es besondere Ereignisse beim Dreh?
Es gab viele, unglaublich schöne Ereignisse. So viele, dass ich sie gar nicht in einer Antwort zusammenfassen kann. Ich werde die einzigartige Atmosphäre am Set und das tolle Team nie vergessen. Ich hatte viele tolle Gespräche mit meinen Kollegen und konnte unglaublich viel von ihnen lernen. Wir haben oft auf dem Weg zu den Drehorten lange im Auto gesessen und von dort aus die schönsten Sonnenunter- und Aufgänge beobachtet. Die vielfältige Natur Tschechiens wird mir immer in besonderer Erinnerung bleiben, und einer der schönsten Momente war, als wir auf 1500 Metern Höhe in einem Winterwunderland voll glitzerndem Schnee gedreht haben. Ich habe noch nie so große Schneeflocken gesehen und mich wie in einem echten Märchen gefühlt.

Haben Sie eine Lieblingsszene im Film? Und warum ist es gerade diese?
Eine wirklich schwierige Frage! Wenn ich mich jetzt für eine Szene entscheide, werde ich einer anderen nicht gerecht, die mir dann später einfällt. Aber eine Szene, bei der man auf keinen Fall im Kino auf die Toilette gehen sollte, ist die Szene in der Taverne. Sie ist emotional, lustig, actionreich, spannend und es passiert so viel... auch mit Zottels Hexenkraft. Sie ist ein echter Schlüsselmoment in der Story.

Welche Aspekte im Märchen „Die Hexenprinzessin“ sind heute noch aktuell?
Der Film „Die Hexenprinzessin“ wendet sich in vielen Punkten von den Klischees klassischer Märchen ab. Zottel symbolisiert durch ihre Darstellung im Film eine moderne, starke und unabhängige Frau, die für Emanzipation und Gerechtigkeit einsteht. Veraltete Rollenbilder werden gebrochen und neue erschaffen. Das ist ziemlich aktuell!

Was ist die Moral von diesem Märchenfilm?
Es lohnt sich, an das Gute zu glauben. Es lohnt sich, für andere und für sich selbst einzustehen und seinem inneren Kompass zu folgen. Wir können nicht ändern, wer wir sind, aber wer wir sein wollen. Und als Tipp für die Zukunft: Besser keine Verträge mit bösen Hexen abschließen ;)

Würden Sie erneut in einem Märchenfilm mitspielen wollen? Wenn ja, welches Märchen wäre es denn und warum?
Merida war lange mein Lieblingsmärchen und ich hätte mir deshalb mit Zottel keine bessere Rolle wünschen können. Ich muss sagen, dass es mir die magischen Kräfte in Märchen angetan haben. Wenn ich mir jetzt eine Rolle in einem Märchen aussuchen dürfte, würde ich mich wahrscheinlich für die böse Fee in Dornröschen oder für die Herzkönigin in Alice im Wunderland entscheiden. Hinter so bösen Charakteren steckt meist eine tiefe Verletzlichkeit und ein eigenes, unerzähltes Schicksal.

Welche Erfahrung von der ganzen Produktion nehmen Sie mit?
Ich bin mit großer Spielfreude an die Produktion herangegangen und mit einer noch größeren Spielfreude nach Hause gekommen. Ich habe Erfahrungen gemacht, die mich psychisch und physisch herausgefordert und weitergebracht haben. Alle Anstrengung zahlt sich am Ende aus. Was im Theater der Applaus nach einem Stück ist, ist in diesem Fall für mich das Leuchten in den Augen der Kinder, die in die Märchenwelt eintauchen und mit Zottel mitfiebern. Das fühlt sich ein bisschen so an, als hätte man in echt einen Funken Magie entzündet.

Oftmals werden ja die Neuverfilmungen sehr kritisiert. Man findet sie oft zu kitschig, zu modern, sie hätten keinen Charme etc. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Märchen gibt es seit hunderten von Jahren und sie leben davon, weitererzählt zu werden. Es geht in den Geschichten um moralische, ethische und gesellschaftliche Werte, die durch Rollen verkörpert und uns früh im Kindesalter nahegebracht werden. Je älter die Märchenvorlagen sind, desto mehr hat sich auch der Zeitgeist und das Weltbild um die Erzählung herum geändert. Ich finde man muss neue und alte Märchenverfilmungen getrennt voneinander betrachten. Dazwischen liegen schließlich Jahre, in denen sich viel verändert hat. Das wichtigste ist doch, dass die Märchen niemals fertig erzählt sind.

Wie stehen Sie generell zum Thema „Gewalt im Märchen?
Literatur spricht immer aus ihrer Zeit heraus. Und es liegt nun einmal in der literarischen Tradition der Märchen, insbesondere der Volksmärchen, dass in ihnen Gewalt stattfindet. Meist dienten die Gewalt und die Grausamkeit ja nicht zum Selbstzweck, sondern sie sollten den Sieg des Guten über das Böse verdeutlichen. Für mich war als Kind immer klar, dass ich, sobald ich „Es war einmal…“ hörte oder las, in eine ferne, geheimnisvolle Welt eintauchen würde. Ich wusste, sie konnte auf der einen Seite gruselig, aber auf der anderen Seite auch wunderschön und tröstlich sein. Solange es ein Happy-End gab, war alles gut. Natürlich ist es wichtig, dass Kinder mit ihren Fragen nicht allein bleiben und dass die Eltern sich stets ihrer Verantwortung bewusst sind. Das betrifft vor allem die filmische Darstellung von Märchen. Während beim Lesen die Phantasie eine natürliche Grenze bietet, kann der Film mit seinen fertigen Bildern Kinder oft überfordern.
Auch in der Hexenprinzessin geht es nicht ganz gewaltfrei zu. Auf der einen Seite sind die bösen Hexen, die Zottels Zwillingsschwester Amalindis - durchaus gewaltvoll - entführen und auch sonst nicht zimperlich sind, auf der anderen Seite das „Team Zottel“, zu dem auch Prinz Tanka gehört, der sein Schwert mit Stolz trägt und es geschickt im Kampf gegen Bösewichte einsetzt. Trotzdem dominieren in der Hexenprinzessin eindeutig die friedseligen Aspekte. Zottel macht sich, ausgestattet mit ihrer Entschlossenheit und ihrem Mut, auf den Weg zu den Hexen. Sie wird durch die Liebe zu ihrer Schwester angetrieben und wächst über sich hinaus. Dabei entwickelt sie im wahrsten Sinne des Wortes übernatürliche Kräfte, die sie ausschließlich für das Gute einsetzt. Auch ihr Gefährte Bero ist alles andere als gewaltbereit. Seine Waffen sind seine Gewitztheit und sein gutes Herz. Und selbst der kampferprobte Prinz Tanka setzt - wenn möglich - lieber seinen Verstand und seinen Witz als sein Schwert ein. Im Showdown der Geschichte sind es auch keine Waffen, die das Böse bezwingen, sondern … an dieser Stelle möchte ich lieber nicht spoilern!
Ich bin sehr glücklich darüber, dass sich die Autoren Kai Meyer und Max Honert und unser Regisseur Chau aus der Tradition und der Moderne bedient und jeweils das Beste aus beiden Welten kombiniert haben. So ist eine Erstverfilmung entstanden, die hoffentlich viele Kinder und Erwachsene begeistern wird, so wie sie mich begeistert hat.

Wir bedanken uns für das märchenhafte Interview.

Fotos: ZDF/Conny Klein, Tiana Lenz, Die Hexenprinzessin (Instagram), Charlotte Krause

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