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Interview mit Anke Sperl
(Redakteurin Famile und Kinder, RBB)

01. Juni 2019

Anke Sperl ist als Redakteurin (Famile und Kinder) beim Fernsehsender RBB tätig. Mit maerchenfilm.info sprach sie über ihre Arbeit an der ARD-Reihe "6 auf einen Streich".

Hallo Frau Sperl, der rbb ist ja nun schon seit einigen Jahren der verantwortliche Sender der ARD-Reihe „6 auf einen Streich“. Beschreiben Sie doch mal Ihre Tätigkeit bzw. Arbeit die Sie für diese Märchenreihe tun?
Wenn Sie wissen möchten, wann ein Märchen gedreht wurde, welcher Schauspieler in welchem Märchen mitgespielt hat oder welches Schloss noch nicht als Drehort genutzt wurde, fragen Sie uns. 
Innerhalb der ARD nennen wir diese Tätigkeit „Federführung“. Und beim sogenannten „federführenden Sender“ laufen alle Informationen zusammen.

War es schon immer Ihr Wunsch bei einer Märchen-Produktion als Redakteurin mitzuwirken?
Als innerhalb der ARD vor 10 Jahren die Idee für eine eigene Märchenreihe entstand, wollten wir als rbb unbedingt dabei sein. Wir haben ein Konzept entwickelt, dass die anderen Sender überzeugt hat und bekamen so als kleiner Sender eine Gesamtleitung für eine große Reihe. Übrigens haben wir damals nicht gedacht, dass wir im Jahr 2019 immer noch Märchen inszenieren.

Im Jahr 2018 gab es zwei neue Märchenfilme: „Das Märchen von der Regentrude“ und „Die Galoschen des Glücks“. Wer entscheidet welche Märchen schlussendlich ausgewählt und umgesetzt werden?
Jeder Sender hat das Recht, Märchen vorzuschlagen. Welche dann schlussendlich umgesetzt werden, entscheidet die ARD-Familienkoordination – ein Gremium – aus allen Vertretern der ARD-Familienredaktionen.

Wonach wird entschieden?
In erster Linie nach dem Titel. Nachdem wir in den ersten Jahren die bekanntesten Märchen (z.B. „Frau Holle“ (rbb), „Aschenputtel“ (WDR) oder „Der Froschkönig“ (SWR) neu in Szene gesetzt haben, gibt es jetzt durchaus auch weniger bekannte wie „Prinz Himmelblau und Fee Lupine“ (RB, NDR, MDR) oder „Die Galoschen des Glücks“ (rbb). Wir achten auf eine Mischung von Prinzessinnen und Prinzen, unterschiedliche Anmutungen und Drehorte (Dorf oder herrschaftliches Schloss). Weiterhin soll das Märchen von der Erzählweise in die Reihe „Sechs auf einen Streich“ passen und wir wollen die besten Schauspieler. All das wird nach nunmehr fast 50 Märchenverfilmungen immer schwieriger.

Wenn man sich den Film "Die Galoschen des Glücks" ansieht, merkt man die Konzentriertheit auf eine Episode. Warum hat man sich nicht für mehrere Episoden entschieden wie im Original-Märchen? Warum wurde die Handlung auf Johann konzentriert?
Das Märchen wurde uns von der Berliner Firma Neue Schönhauser zur Verfilmung angeboten. Ich kannte es bis dahin nicht.            
Da ich aber die Märchen von Hans Christian Andersen mag, war ich neugierig auf das Originalmärchen. Nach dem ersten Lesen hatte ich Zweifel. Sprache und Erzählstil sind wenig märchenhaft. Oftmals ironisch beschreibt Andersen die Sorgen und Sehnsüchte der Kopenhagener Kleinbürger. Weiterhin ist es länger als viele andere Märchen – 33 Seiten in der Ausgabe „Der große Diederichs Märchenschatz“. Wir mussten also eine Entscheidung treffen, denn länger als 59 min darf ein Märchen für die Reihe nicht sein. Da wir mit unseren Märchen auch die jüngeren Kinder erreichen wollen, mussten wir reduzieren und uns für eine komplett neue Erzählstruktur entscheiden.

2016 wurde erstmals ein DEFA-Märchenfilm neu verfilmt: „Das singende, klingende Bäumchen“. Es gab ja sehr viele negative Kritik dazu. Wie haben Sie diese aufgefasst?
Uns war klar, dass wir mit der Neuinszenierung dieses Märchenklassikers polarisieren. Wir schätzen die Vorlage und die Umsetzung von 1957 sehr und hatten großen Respekt. Aber wir finden, dass jede Generation von Kindern ihre eigenen Märchen verdient hat. Deshalb haben wir uns an die Umsetzung gewagt und auch viele positive Reaktionen erfahren. Und Ihnen ist sicher aufgefallen, dass wir der Prinzessin von damals – gespielt von Christel Bodenstein – eine kleine Rolle in der Neuverfilmung gegeben haben. Unsere Verbeugung vor einer wunderbaren Schauspielerin.

Wird man auch mal die Märchen verfilmen die schon das ZDF verfilmt hat? Zum Beispiel „Die goldene Gans“, „Der Eisenhans“, „Die Schöne und das Biest“ oder „Die Schneekönigin“.
Das  hängt u.a. davon ab, wie lange die ARD noch Märchen für die Reihe „Sechs auf einen Streich“ verfilmt. Wir als Federführer finden es gut, wenn man sich hier abgrenzt. Jede Verfilmung soll etwas Besonderes sein. Die Zuschauer haben wenig davon, wenn sie ein Märchen zeitnah in zwei Verfilmungen sehen.

Die ARD-Märchen unterscheiden sich schon sehr stark von den ZDF-Märchen. Sie sind oftmals farbenfroher, im Allgemeinen auch oft humorvoller und zum Teil auch öfters kitschiger. Woran liegt das?
Der größte Unterschied zu den Verfilmungen des ZDF ist die Länge: 59 min. Damit geben wir eine bestimmte Erzählstruktur vor. Weiterhin zeichnet sich die Reihe „Sechs auf einen Streich aus“ durch: 

- alle Musiken werden neu komponiert,
- eine märchenhafte Sprache, gern auch modern, aber ohne sog. „Jugendsprache“,
- eine Mischung aus sehr bekannten Schauspielern (z.B. Iris Berben, Susanne von Borsody, Axel Prahl …) und Jungschauspielern wie Ruby O Fee oder Jonas Lauenstein.
- Wir wollen die wichtigsten Erkennungsmerkmale eines Märchen  erhalten (z.B. Frau Holle „ …hol uns raus, hol uns raus, sonst verbrennen wir …“ oder Schneewittchen „Wer hat von meinem Tellerchen gegessen“ …).
- Aber jeder hat die Freiheit, das Ende leicht zu verändern und für die Kinder von heute erlebbar und nachvollziehbar zu machen.

Welche Märchen müssen, nach Ihrer Meinung, unbedingt noch in diese Reihe „6 auf einen Streich“?
Ich wünsche mir „Der Wolf und die sieben Geißlein“ oder gern noch ein Märchen von Hans Christian Andersen.

Welche Märchenfilm-Produktion aus der Reihe war für Sie persönlich Ihr Favorit?
Das ist eine schwere Frage, denn jedes Märchen hat etwas Besonderes und alle kamen bei den Zuschauern gut an. Ich schaue immer wieder gern „Aschenputtel“, „Das Märchen vom Schlaraffenland“ und „Die Prinzessin auf der Erbse“.

Sind denn schon Ideen bezüglich der Märchenfilme für das Jahr 2019 vorhanden?
In diesem Jahr werden zwei Märchen verfilmt „Das Märchen von den 12 Monaten“ (RB, MDR und rbb) und „Die drei Königskinder“ (SWR)

Wird jetzt verstärkt das Augenmerk auf unbekanntere Stoffe gelegt?
Nein, aber wenn wir im Jahr 2020 über 50 Märchen neu verfilmt haben werden, muss man auf die unbekannteren ausweichen. Aber auch dort sind Schätze zu heben.  

2019 wird ja u.a. auch „Das Märchen von den 12 Monaten“ verfilmt. Warum haben Sie sich für dieses Märchen entschieden?
Weil es ein sehr schönes, romantisches aber auch zeitgemäßes Märchen ist. Eine zarte Liebesgeschichte eingebettet in das Leben der Menschen mit der Natur. Alles hat seine Zeit und der Wechsel der Jahreszeiten ist unabkömmlich für unser Leben. Die 12 Monate als Sinnbild für das fragile Zusammenspiel von Mensch und Natur.

Wird in der Neuverfilmung eher Bezug auf das Märchen (Božena Němcová) genommen oder orientiert man sich da wie z.B. bei dem „Singenden, klingenden Bäumchen“ an einen Film den es schon gibt?
Lassen Sie sich überraschen. Weihnachten 2019 ist es soweit.

2018 sind auch erstmals keine DVD´s zu den aktuellen Märchenfilmen erschienen. Woran liegt das?
Leider hat es im letzten Jahr mit den DVD‘s aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Wir sind für die nächsten Jahre aber zuversichtlich. Außerdem kann man die Märchen von  "6 auf einen Streich" auf verschiedenen Streaming-Anbietern nutzen.

Wir bedanken uns herzlich für das interessante Interview.

Fotos: RBB, Margit Hahn

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